Österreich: Neurologisches Therapiezentrum Gmundnerberg

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten

Österreich: Neurologisches Therapiezentrum Gmundnerberg

Beitrag von Lukkl am Fr 27 Okt 2017 - 19:40

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich war vor einigen Wochen auf einem vierwöchigen Reha-Aufenthalt im neurologischen Therapiezentrum Gmundnerberg (http://www.ntgb.at/). Das Therapiezentrum liegt wunderbar und wunderschön, selbst für einen Österreicher, der in den Bergen aufgewachsen ist. Das war mein erster Reha-Aufenthalt überhaupt, somit war ich gespannt, was mich erwartet.

Österreich hat ca. 1/10 der Einwohner Deutschlands, d.h. österreichische PLSler dürfte es dann auch entsprechend weniger geben, vielleicht 10-20? Demzufolge konnte ich nicht erwarten in der Reha auch nur einen der anderen PLSler zu treffen. Bei Gesprächen mit den Ärzten und Therapeuten habe ich herausgefunden, dass in den letzten 6 Jahren - so lange gibt es die Klinik - Erfahrungen mit ALS-Patienten und einigen wenigen PLSlern gemacht wurden. Generell ist auf die Erkrankung "per se" im speziellen wenig eingegangen worden. Es wurde nach anfänglichen Tests durch meine persönlichen Physio- und Ergotherapeuten für mich ein indivduelles Programm zusammengestellt und immer wieder angepaßt, dabei wurde auch berücksichtigt, dass eines meiner Ziele war, möglichst viel verschiedenes auszuprobieren, und ich nicht nur PLS habe, sondern auch ein "lädiertes Kreuz" mit diversen Schäden...

Die Therapien waren in etwa so, wie ich es mir erwartet habe. Auf einige Therapien habe ich verzichtet, obwohl sie gut und richtig sind, weil ich sie schon kannte, etwa die Wirbelsäulengymnastik (habe ich dann in Pausen im Zimmer gemacht) oder Wassergymnastik.
Richtige "Bringer" waren für mich
- Laufband - hier konnte ich in den 4 Wochen am Gang feilen und die Geschwindigkeit von 2.8 kmh auf 3.2 kmh steigern
- das Gehen (Torkeln, ...) im schönen, teilweise leicht hängenden Gelände - hier bin ich im Laufe der Wochen etwas kräftiger, geschickter und wagemutiger geworden
- Entspannungstechniken (progressive Muskelentspannung und Biofeedback) - kannte ich nicht und funktionierte gut
- Physiotherapie mit Bobath-Elementen
- Nette Kontakte, gute Gespräche und gute Stimmung
- Ausflüge in die wunderbare Umgebung - das Salzkammergut, Heimfahrt an Sonntagen untertags

Interessant war auch das "Rüttelbrett" (Galileo), das habe ich (übrigens auf Anreiten von Franzi, danke !) kurz getestet: nach nur 1-2 Minuten einmal mit 6 und einmal mit 10 Hz war die Spastik wie weggeblasen, jedoch nur für kurze Zeit. Ob das langfristig auch wirkt, weiß ich nicht. Kräftigend dürfte es jedenfalls sein. Gibt es hier eurerseits Erfahrungen?

Mühsam und frustrierend waren Gleichgewichtsübungen, die neben Gleichgewichts- und Koordinationstrainings auch sonst oft eingebaut wurden, bei Physio, bei Ergotherapie, ... Hier ging nicht viel voran.

Schwierig war für mich:
- das "Ankommen" - das erste mal "in so einer Einrichtung", ja ich bin behindert und jetzt mitten im Geschehen
- einige Tests und Übungen - ich wusste nicht wie schlecht ich manches kann, im besonderen war mir nicht bewußt, wie schlecht es um mein Gleichgewicht steht
- Sturz in Woche drei - wegen nichts... im Haus beim Betreten eines Raumes... mit den Sneakers am Boden hängen geblieben...

In Summe habe ich aber wirklich profitiert und es geht mir tatsächlich etwas besser, und ich habe 3 kilo abgenommen :-)
Wenn sich auch an der eigentlichen Krankheit (Spastik und Steifigkeit, Gleichgewicht, Schwäche rechts) nichts merklich verbessert hat, so bin ich doch in Summe kräftiger und etwas geschickter in der Kompensation geworden. Auch ist die Stimmung etwas aufgehellt. Und ich "schäme" mich weniger, warum auch immer.
Ich habe ein "ambitioniertes" Trainingsprogramm "mitgenommen", es wurde mir nicht "aufgeschwatzt", ich habe es selbst "erstellt" und mit den Therapeuten besprochen und im Detail abgestimmt. Ich hatte einiges vorher schon getan, einiges dazugenommen.
Generell:
- möglichst viel bewegen, gehen, jeden Tag eine halbe Stunde ... Ein Laufband ist bestellt...
- täglich: Dehnung hinterer Oberschenkel, Kräftigung und Dehnung Wade (Schwachstellen...)
- täglich mehrere 10-min.-Arbeitspausen im Homeoffice über den Tag verteilt mit verschiedenen Übungen für Gleichgewicht und Gang
Wöchentlich:
- 2 x Krafttraining (Kiesertraining - www.kieser.com)
- 3 x 30 min. WS-Gymnastik - mache ich wenn möglich jeden 2. Tag in der Mittagspause
- 1 x Ergometer, mind. eine halbe Stunde
- wöchentlich / bei Bedarf 1-2 mal Entspannung (progressive Muskelentspannung nach Jacobson mit CD vom Gmundnerberg :-)
Nach Möglichkeit:
- Schwimmen (Graul, Rückengraul, Flossen - 1 Stunde)

Bleibt die Frage, ob ich die Klinik empfehlen kann. Ich habe keinen Vergleich, somit ist es schwer zu sagen. Für mich war es in Summe ein positives Erlebnis.
Es wurde mir seitens der Klinik jedenfalls ein jährlicher Aufenthalt empfohlen.

VG
Lukkl
avatar
Lukkl

Anzahl der Beiträge : 3
Anmeldedatum : 28.08.17

Nach oben Nach unten

Re: Österreich: Neurologisches Therapiezentrum Gmundnerberg

Beitrag von Michael_ am Mo 30 Okt 2017 - 16:30

Hi Lukki,
vielen Dank für den ausführlichen Bericht.

Du kannst eigentlich noch viele Sachen die ich in der Form und Häfigtkeit schon länger nicht mehr mache und kann.
Die Köperspannung wird bei mir dann zudem zu groß.

Das Gallileo kenne ich auch. Bei deinen eingestellten Hz-Zahlen komme ich auch gut zurecht.
Aber das die Spastik davon verschwindet kann ich bei mir nicht bestätigen. Eine Reduktion Ok.

Ich rate dir nicht zu viel vorzunehmen, weil du das ja immer durchziehen solltest.

Mein Rehaantrag geht gleich per Post raus Smile

Bis bald

Michael
avatar
Michael_

Anzahl der Beiträge : 100
Anmeldedatum : 06.07.14
Alter : 56
Ort : Oldenburg

Nach oben Nach unten

Re: Österreich: Neurologisches Therapiezentrum Gmundnerberg

Beitrag von Mario am So 5 Nov 2017 - 22:11

Hallo Lukkl,

vielen Dank für den Reha-Bericht, sehr gut im Detail berichtet.

Vieles davon hatte/habe ich auch hier in der Reha. Mal ein paar Dinge angesprochen:

- Schwimmen ist okay, wenn es nicht leistungsmäßig stattfindet; besser sind so verschiedene Übungen, sonst doch eher zu hohe Anspannung in den Beinen.
- das Gleiche vermutlich bei dem Galileo, ich kenne das, aber bekam direkt danach das große Zittern in den Beinen.
- und so war es auch beim Massieren der hinteren Oberschenkelmuskulatur letztens hier in der Physio; danach kriegten sich die Beine gar nicht mehr ein.
- sonst sind Bobath und Laufen in langsamem Tempo gut für ein besseres Gleichgewicht und mehr Lockerheit in den Beinen.
- Entspannung funktioniert nur begrenzt, weil die Beine in Ruhe meist nach einigen Minuten zu zuckeln beginnen.
- hm am besten haben wohl die Kontakte mit anderen Patienten und kleinere Touren auf dem Gelände der Reha-Klinik getan, auch für die Psyche und das ist ja nicht zu unterschätzen.

Also ich würde sagen, es geht noch vieles bei mir, aber immer mit halber Kraft und nicht allzu lange ausdauernd; dann passt es wohl.

Ich denke schon, das Du nach Deiner Beschreibung in der Klinik hoch droben in den Bergen gut aufgehoben warst.

LG Mario

_________________
Heute ist der erste Tag vom Rest meines Lebens. [Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um das Bild sehen zu können.]
avatar
Mario
Admin

Anzahl der Beiträge : 608
Anmeldedatum : 19.03.13
Alter : 52
Ort : 15344 Strausberg

http://www.pls-mobil.de

Nach oben Nach unten

Re: Österreich: Neurologisches Therapiezentrum Gmundnerberg

Beitrag von Gesponserte Inhalte


Gesponserte Inhalte


Nach oben Nach unten

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben

- Ähnliche Themen

 
Befugnisse in diesem Forum
Sie können in diesem Forum nicht antworten